AARGAUER ZEITUNG     |     Donnerstag 18. Mai 2006
Region Aarau/Lenzburg-Seetal/Wynental-Suhrental

 

Unterwegs auf einer modernen Schatzsuche

GEOCACHING  Peter Stutz aus Staufen zählt Geocaching zu seinen Freizeitbeschäftigungen. Ein Hobby aus einer Mischung von Orientierungslauf und neuartiger Schnitzeljagd. Die AZ begleitete ihn dabei.

MARC RIBOLLA

Eine richtige Schatzsuche fasziniert auch in der heutigen Zeit noch Kinder wie Erwachsene. Selbst dann, wenn der Schatz am Ende nur einen symbolischen Wert besitzt. Beim Geocaching reizt deshalb vor allem die Herausforderung des Suchens.


Peter Stutz prüft am GPS-Empfänger  das Satellitensignal, bevor er die neuen Koordinaten eingibt.

 
«Für alle Fälle habe ich sogar ein dickes Seil und hohe Gummistiefel dabei. Man weiss ja nie, was einen unterwegs noch alles erwartet», sagt Peter Stutz. Der Staufner ist auf alle erdenklichen Situationen, die das Geocaching bieten kann, bestens vorbereitet. Für heute hat er sich ein Rätsel im Waldgebiet Lütisbuech bei Lenzburg ausgesucht, um seinen nächsten «Schatz» zu finden.
     Damit ihm das gelingt, hat er im Internet die passende «Schatzkarte», eine ausführliche Beschreibung, ausgedruckt. Darauf sind die Startkoordinaten angegeben und weitere Infos wie der Schwierigkeitsgrad und die Geländebeschaffenheit. Peter Stutz gibt beim Picknickplatz am südlichen Waldeingang die Daten in seinen handlichen GPS-Empfänger ein, ohne den beim Geocachen gar nichts läuft (siehe nebenstehende Erklärung).

SPORTLICHE HERAUSFORDERUNG
«Jawohl, der Empfang ist zufriedenstellend, es kann losgehen», sieht er dem Abenteuer optimistisch entgegen. Die Suche im Lütisbuech sei mehrstufig aufgebaut, ein so genannter Multi Cache, wie Stutz erklärt. Unterwegs müssen mehrere Aufgaben bewältigt werden, um dem Ziel näher zu kommen.
    
Nachdem die erste Frage am Start richtig beantwortet ist und die Koordinaten eingetippt sind, erscheinen auf dem Display eine detaillierte Landkarte und ein blinkender Pfeil, der die aktuelle Position anzeigt. Etwas daneben
leuchtet ein Dreieck. Das erste Zwischenziel. Nun heisst es marschieren. «Nur mit den Angaben des GPS kann es schwierig sein, den praktischsten Weg zum Ziel erkennen zu können. Geländekenntnisse sind für Anfänger deshalb von Vorteil», erzählt Geocacher Peter Stutz. Der scheinbar kürzeste Weg könne sich plötzlich als unbegehbar erweisen. «Am Geocaching reizt mich die sportliche Herausforderung in der Natur und die Möglichkeit, knifflige Rätsel zu lösen», begründet er seinen Einstieg ins Geocaching.
     Nach zehn Minuten Fussmarsch auf Waldwegen geht es ab ins Unterholz. Mit den detaillierten Hinweisen auf der Schatzkarte lässt sich der Zwischencache problemlos finden. Die neuen Zahlen verraten nun die Himmelsrichtung und die Luftliniendistanz zum Zielcache. Zügig marschiert Peter Stutz in die angezeigte Richtung. Mit einer Genauigkeit von etwa drei Metern lässt sich der Endpunkt bestimmen. Jetzt kann das Suchen losgehen.
     «Ich versetze mich immer in die Person des Cache-Gründers und überlege mir, wo ich hier etwas verstecken würde», sagt Stutz. Er habe auch schon mal eine Stunde gesucht, bis er fündig geworden sei. Umso grösser sei am Schluss die Befriedigung gewesen. Heute dauert es weniger lang, bis es klappt. Stutz öffnet den Behälter und trägt sich ins Logbuch ein,
das sich zwingend in jedem Cache befindet. Damit wird der Fund dokumentiert.
    Wichtig ist auch der Eintrag im Internet, wo über jeden Geocacher eine Statistik geführt wird. Wer will, kann einen der kleinen Gegenstände
aus dem Cache entfernen und einen neuen hinzufügen, auch das zählt zum Spiel. Über 300 Caches habe er in der Schweiz schon entdeckt. «Fast schon eine Sucht, aber eine gesunde für Körper und Geist», erklärt der Schatzsucher auf dem Rückweg.  


Der Cache-Inhalt kann sich mit jedem Finder ändern. Eine Momentaufnahme.

WAS IST GEOCACHING?

«Cache»: englisch für geheimes Lager. Geocaching ist ein neuartiges Hobby, das immer populärer wird. Es basiert auf der Satellitennavigation mit dem Global Positioning System (GPS), das von den USA entwickelt wurde. Nach der Abschaltung der künstlichen Verschlechterung der Satellitensignale für zivile Zwecke im Mai 2000 bildet das GPS die Basis für Geocaching. Es ist ein Freizeitspass in der Natur, der für jedermann geeignet ist. Ausgerüstet mit einem kleinen GPS-Empfänger und Landkoordinaten, die auf Websites zu finden sind, geht man auf die Suche nach dem versteckten «Schatz». Ein Geocache besteht in der Regel aus einer Film- oder Plastikdose und enthält kleinere symbolische Dinge. Beim Geocaching geht es also nicht um wirkliche Schätze. Das Reizvolle am Geocaching ist das Auffinden des Wegs und schliesslich des Schatzes. Einen Cache kann jeder unter Berücksichtigung bestimmter Kriterien verstecken und die Aufgabe im Internet veröffentlichen. Es gibt unzählige Arten von Caches. Die verbreitetsten sind die Traditional Caches, die mit einer Koordinate direkt zum Ziel führen, und die Multi Caches, wo unterwegs mehrere Aufgaben gelöst werden müssen. Täglich kommen neue Caches hinzu. Momentan sind rund 260 000 Caches in 221 Ländern aktiv. Unter anderem 1 am Südpol oder 5 in Grönland. Mehr Informationen gibt es auf der offiziellen Schweizer Website: www.swissgeocache.ch. (rib)