Mission Rosenburg

 

Mit bisher 0 geloggten Caches wage ich mich also an einem Tag Anfang Februar an meinen ersten Schatz heran – zwecks TV-Aufnahmen. Natürlich sehe ich es auch als eine Art Weiterbildung, schliesslich hat man nie ausgelernt. Zudem stehen mir sieben eingefleischte Geocacher zur Seite. Für die Mission kann das nur positiv sein.

 

Tabata2, The Lupine, neven, Zoccoli, mirpets, bluba und Prof. Dumbledore nennen sie sich in der Geocacher-Welt. Sie bezeichnen sich selbst als Süchtige, verbringen fast jede freie Minute mit Geocaching. Auch mal nachts, bei Regen und Schnee oder schnell mal über Mittag in der Stadt. Pensionär mirpets, im richtigen Leben Peter Stutz, führt die Statistik der Gruppe an. Über 1700 Schätze hat er mit dem GPS-Gerät bis heute aufgespürt. mirpets ist gut vorbereitet. Zu Hause am Computer hat er sich vorgängig alle Informationen über die «Mission Rosenburg» zusammengesucht und ausgedruckt. Über ein Dutzend Seiten sind es. Die Startkoordinaten bei der Kapelle in Pfäffikon sind bekannt: N 47° 12.266 und E 008° 46.512. Und irgendwo beim Schloss Rapperswil ist der begehrte Schatz versteckt. Die «Mission Rosenburg» ist ein «Multi-Cache». Auf der rund acht Kilometer langen Wegstrecke werden uns also immer wieder neue Rätsel und Verstecke auf Trab halten. Ein Hinweis führt so jeweils zum nächsten. 15 Posten werden es am Schluss sein, sollten wir tatsächlich alle finden.


Tabata2, die einzige Frau im heutigen Team, prüft ein letztes Mal das Navigationsgerät und stampft in zügigem Tempo los. In der Folge geht es durch ein Sumpfgebiet, entlang einer Weidewiese zum Hurdensteg. Rapperswil rückt immer näher. Plötzlich zückt The Lupine, aka Daniel Gut, einen ausklappbaren Spiegel. «Ich gucke jetzt mal unter den Steg, der Hinweis, den wir suchen, könnte unter dem Steg versteckt sein», erklärt er mir. «Hilfsmittel wie Spiegel, Lampen, Taschenrechner und Pinzetten zum Rausgrübeln kleinster Gegenstände aus Ritzen oder Astlöchern hat ein Hardcorecacher immer mit sich dabei», klärt mich mirpets auf. Die Aktion mit dem Spiegel ist erfolgreich, die Zahl 90 wird aufs Papier notiert. In zwei Stunden sammeln die Cacher so 15 Zahlen. Aus einem Hausrelief muss unter anderem eine römische Zahl in unser System umgerechnet werden. Und einmal hängt eine kleine Cache-Box unter einem Brückenträger, angehaftet mit einem Mini-Magneten. Ich komme bei all den Aktivitäten aus dem Staunen nicht heraus. Oft sind die Schatzsucher so schnell, dass ich mit der Kamera zu spät am Geschehen bin. TV-Cachen ist Schwerstarbeit.

 

Über den Dächern von Rapperswil, beim Schloss, das einst Rosenburg hiess, setzen die Geocacher die zusammengetragenen Zahlen ins Schlussrätsel ein. «Habt ihr die Nord-Koordinate schon?» will Zoccoli nervös wissen. Eine Viertelstunde lang wird addiert, subtrahiert und multipliziert und dann, nach Unstimmigkeiten, nochmals von vorne begonnen. Plötzlich herrscht Einigkeit. «Wir haben sie! Die Koordinaten für den End-Cache müssen stimmen. Das GPS zeigt zur Treppe, die hinter dem Schlossturm zum See geht», weiss Prof. Dumbledore – übrigens der Jüngste im Team. Hastig eilen alle nach unten. Tatsächlich ist für einen Cache-Profi das Versteck hinter der Schlossmauer dann fast nicht zu übersehen. Verraten wird es an dieser Stelle jedoch nicht. Aus der schuhgrossen Box tauschen die Cacher einen Kompass gegen ein Sackmesser ein und ein Spielzeug gegen eine Münze. Schliesslich verewigt sich jeder Schatzjäger noch im Logbuch. Dann kommt der Rosenburg-Cache zurück in sein Versteck und die Mission ist beendet.

Sarah Allemann, Redaktorin konsumTV

 

 

Der Beitrag über die Mission Rosenburg wurde am 2. März 2008 auf SFzwei ausgestrahlt.